Macht und Gier lassen „Titanic“ im Thuner See versinken

Ein kulturelles Glanzlicht in diesem Festspielsommer ist die hervorragende Aufführung des Musicals „Titanic“ auf der Seebühne am Thuner See in der Schweiz. Eine grossartige Kulisse vor den schneebedeckten Bergen Eiger, Mönch und Jungfrau. Ein Team von mehr als 80 Darstellern in originalgetreuen Kleidern von 1912 bringt die tragische Geschichte der Titanic nahe. Der Regisseur Max Sieber hat es verstanden eine Parallele dieser Tragik zu der heutigen Zeit zu ziehen. Max Sieber ist bekannt durch seine Regie bei Holiday on Ice, Verstehen Sie Spass etc.

Schiff auf Schweizer SeeDer mitreisende Eigner der propagierten unsinkbaren Titanic fordert den Kapitän ständig auf, die Fahrgeschwindigkeit zu erhöhen, damit er sich mit der schnellsten Überfahrt aller Zeiten brüsten kann. Auch mit an Bord ist der Ingenieur des Luxusdampfers, der sich beklagte aufgrund grösserer Ausstattungsmöglichkeiten für die 1. Klasse auf Sicherheitsvorschriften und eine ausreichende Anzahl von Rettungsbooten zu verzichten. Selbst mehrere Warnungen des gesichteten Eisberges vom engagierten und überzeugend spielenden Funker wird viel zu lange abgetan. Inzwischen werden die lange in Unwissenheit gehaltenen Passagiere aller drei Klassen sich ihres Schicksals bewusst und einzelne Tragödien sind sehr überzeugend gespielt sei es von den im Neuen Land nach Glück suchenden überschäumenden hoffnungsvollen Iren, oder dem älteren Ehepaar Strauss, die sich entschliessen, komme was wolle, wir sinken gemeinsam. Grossartig ist das auf einem Wasserfall projizierte Bild der sinkenden Titanic. Auf mehreren Booten hinter der Kulisse auf dem Thuner See werden Leuchtraketen abgeschossen und dann langsam verhallen die Stimmen der Leute auf den kleinen Booten mit „Ist jemand da? Hören Sie uns?“

Die Selbstherrlichkeit der Millionäre in der 1. Klasse hält an bis zum Schluss, und sogar zitiert Benjamin Guggenheim noch Balzac:“Hinter jedem grossen Vermögen steht ein grosses Verbrechen“. Und damit sind wir bei der heutigen Zeit. Macht und Gier treibt uns in das Elend. Unsere Gesellschaft leidet an einer Entgrenzung (Managergehälter, Gütermengen und staatliche Leistungen etc.) und der einzelne Mensch hat keine eigene Verankerung mehr. Grenzen und Orientierung stehen dicht beieinander. Einer der Hauptsponsoren dieser Aufführung ist übrigens die Schweizer Grossbank UBS.

Die Veranstaltungen finden jeden Sommer in Thun am See statt.  Weitere Informationen und Tickets unter www.titanicthun.com .

Vom 16. Juli bis 13. September 2013 wird auf der Seebühne die Welturaufführung von Dürrenmatts “Besuch der alten Dame” als Musical aufgeführt.

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