Wie im altenRom

Wie im alten Rom……

Neulich, auf einer internationalen Messe für Meetings & Tourism habe ich drei Pressepräsentationen besucht. Präsentiert haben das Sultanat Oman,  Auckland/ NZ und ein uns benachbartes europäisches Land – Frankreich. Alle Repräsentanten der außereuropäischen Länder waren bestens vorbereitet und es gab viele interessante Neuigkeiten zur Infrastruktur dieser Länder.

Die erste Delegation, angeführt vom Tourismus Minister von Oman gaben bekannt, dass demnächst ein riesiges Convention Centre für ca. 20000 Delegierte aus den Bereichen Ressourcen sowie Gesundheit bereits im August 2016 eröffnet werden wird. Weiterhin wird ein sehr moderner mit allen neuen technischen Highlights ausgestatteter Flughafen in Muscat gebaut.

Aus Auckland begrüsste uns der Keynote Speaker Ngahihi-0-Ter Bidois  in Maori Sprache und  mit einem eindrucksvollen Tattoo im Gesicht . Er erklärte uns, dass das Tattoo von einem Ohr zum anderen reicht, damit man immer gut zuhört, die Stirn würde allerdings frei bleiben, damit der Geist und die Seele immer rein bleiben. Er würde auch keinen Alkohol trinken, um seine Sinne immer wachsam zu haben. Sehr beeindruckend!

Simon Jamieson, General Manager des NZICC, erklärte das neue Convention Centre in Auckland, welches Mitte 2019 eröffnet werden soll. Dem Bauunternehmen Buildmedia wurde  für dieses ehrgeizige Projekt die kreative Freiheit gegeben, um alles was technisch heutzutage und morgen möglich sein wird  zu verwirklichen und alle Mittel wurden ihm hierzu zur Verfügung gestellt. Konferenzen mit bis zu 3000- 4000 Delegierten werden möglich und man wird begeistert sein von der revolutionären Technik. Weiterhin befinden sich ca. acht  4-5 Sterne- Hotels in unmittelbarer Nähe, ohne Busanfahrt. Die Aufteilung der 24 Konferenzräume ist derart vielfältig verwandelbar, dass eigentlich für jeden Meeting Planner ein maßgeschneiderter Raum möglich ist.

Welcome to the New World!

Und nicht zuletzt: Die Präsentation unseres geliebten Nachbarlandes Frankreich:

Guy Savoy, Chef 3 etoiles,  präsentierte uns alle Ecken Frankreichs sozusagen “ im Fluge“ und sprach über seine 3-Sterne Küche und die regionalen Lebensmittel, die im Garten Frankreichs in ausgezeichneter Qualität zu haben sind. Dann gab es noch einige Informationen zu Strasbourg, die ich aber nicht mehr gehört habe, weil ich da den Raum bereits verlassen hatte.

Warum schreibe ich diesen Blog? Weil mir auffiel, dass das Verhalten der Vertreter Frankreichs so sehr anders war als das Auftreten der beiden vorab genannten Länder. Zunächst begann die Präsentation ungefähr 10 Minuten verspätet und dann „Oops!“ – man hatte die Untertitel von Monsieur Savoy‘s Bericht in deutscher Sprache nicht dazu geschaltet. Also alles noch einmal von Anfang an. Hallo?? Aber das ist es nicht, was mich gestört hatte. Ein technischer Fehler mag überall passieren. Die Lässigkeit, die beide Repräsentanten von Atout France an den Tag legten hatte mir missfallen. Wenn ich einem Presse- oder auch anderem Publikum vorsitze, dann gebührt es gewissen Respekt und korrektes Verhalten an den Tag zu legen. Es geht nicht, dass man sich in den Stuhl lümmelt oder gelangweilt mit abgestütztem Kopf auf die Präsentation schaut. Diese sollte man bereits vorher gesehen haben und wach sein, wenn jemand besonders interessiert ist und Fragen dazu haben sollte.

Verglichen mit den beiden anderen, vorigen Präsentationen, wo die Vortragenden in akkurater Kleidung und korrektem Benehmen auftraten, fiel die verknautschte Kleidung und die Art und Weise des unaufmerksamen Sitzens am Vorstand auf.

Wenn wir auch so sehr das lässige und fröhliche Frankreich lieben, so gehört es sich zumindest vor internationalem Publikum, das man für seine Reisen und Veranstaltungen in Frankreich anwerben möchte – dass man sich respektvoll und ordentlich gekleidet  dem Publikum darstellt.

Ich war ziemlich schockiert und fragte mich, wieso das so ist? Ist dies vielleicht eine Zeiterscheinung? Jetzt könnte ich eine generelle Diskussion über unser Europa, unsere Erziehung, unseren Wohlstand und unseren Respekt vor sich und anderen beginnen oder auch nur fragen: Sind wir nicht mehr stolz auf das, was wir bzw. unsere Vorfahren an phantastischen Dingen – unter weitaus schwierigeren Bedingungen – geschaffen haben? Wollen wir unsere Traditionen nicht erhalten? Ist unsere Erziehung aus dem Ruder gelaufen? Bekanntlich fängt ja alles Zuhause an! Geht es uns zu gut, dass wir nachlässig und uninteressiert und immer egoistischer werden?  Ich beobachte  immer mehr, dass viele junge und auch ältere Menschen miserabel und unaufmerksam gekleidet sind und wie ich so schön sage: „Nicht mehr um die Ecke gucken?“ Und lieber auf ihre WhatsApp starren?

Hierzu noch eine kleine wahre Begebenheit:
Zwei junge Japanerinnen wanderten im Wallis in der Schweiz und starrten in ihre Handys, die sie – weder links noch rechts guckend – vor sich her hielten. An einer Wegecke fragten sie ihre SIRI Funktion: „Is it beautiful here?“  „Yes”, sagte SIRI, “it is worthwhile to have a look”. Beide nahmen die Köpfe hoch vom iPhone und nickten mit dem Kopf: „Oh yes indeed, it is very beautiful“ …und marschierten weiter. Oder eine junge amerikanische Studentin, die wir mit auf den Gletscher nahmen: Sie fragte nichts ausser, ob die Berge „real“ wären!!??

Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, aber meine Meinung teilen viele andere internationale orientierte, junge sowie ältere Mitmenschen.

Wo führt das hin? Wenn das so weitergeht, werden wir enden wie im alten Rom? Was meint Ihr? Gerne erwarte ich Eure Kommentare hierzu.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*