Bündner Herrschaft / Graubünden -Mein Geburtstags-Reisli in der Schweiz

Valendas in der Rheinschlucht, Graubünden

„Wimmeln“* in der Bündner Herrschaft

Weingut Hermann in Fläsch

Malans: Restaurant „Weiss Kreuz“ mit Stefan Jäckel, 1Michelin Stern

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Wappen von Graubünden                    Wappen von Fläsch            

Wie jedes Jahr wünsche ich mir zu meinem Geburtstag ein „Reisli“ in der Schweiz. Dieses Jahr war unser Ziel Graubünden. Durch einen Artikel von Helmut Luther (Wir haben vergessen, wie schön es hier ist) im Reiseblatt der FAZ wurden wir auf das Dorf VALENDAS aufmerksam. Valendas ist ein ca. 290 Seelen Dorf, abgeschieden von der weiten Welt. Aber durch eine Initiative von Schweizern und Ausländern wurde eine Stiftung gegründet, damit das Dorf wieder zu neuem Leben erwachen kann. Dazu gehörte, dass ein Gasthaus gebaut wurde. Das „Gasthaus am Brunnen“ mit nur 4 Zimmern, aber einem sehr lobenswerten Restaurant – geführt von Martin Althof –

Blick vom Brunnen zum Gasthaus am Brunnen
Die Nixe am Brunnen von Valendas
Martin Althof und sein „Green Egg“ für zarte Steaks

hat sich zwischenzeitlich schon einen guten Ruf gemacht. Das Haus liegt im Ortskern direkt an einem alten Holzbrunnen – dem grössten Holzbrunnen Europas! Und das Lustige ist die Nixe, die oben über dem Brunnen krönt. Bei einem kleinem Spaziergang durch das Dorf entdeckten wir mehrere Bauernhöfe, die Kirche, 2-3 Bäckerläden auch Pfisterei genannt. Diese Bäcker backen allerdings nur abwechselnd einmal in der Woche. Etwas weiter kamen wir an die Rhein-Schlucht, deren Klippe schroff 200 m in die Tiefe abfällt. In einem weiten Kiesbett gluckert das Wasser dahin. Man kann mit Bus/Bahn unten entlangfahren und wieder zu Fuss nach Valendas hochlaufen.

Am nächsten Tag führte uns der Weg nach Malans – ein Weingebiet in der Bündner Herrschaft. Bekannt für seinen Pinot Noir und den seltenen Completer. Unser Ziel war aber zuerst ein Mittagessen im „Weiss Kreuz“ geführt von Iris Petermann, die vor einigen Jahren das vormals hochgelobte Restaurant „Kunststuben“ in Küsnacht führte.  Wir waren begeistert was Chef Stefan Jäckel uns an Köstlichkeiten servierte und zwar nicht nur ein Gaumen- sondern auch  ein Augenschmaus, was er uns auf den Tellern kredenzte.  Stefan Jäckel hat seine Liebe zum Kochen in renommierten Restaurants wie „Hotel Sacher, Wien und „Viktoria Jungfrau“, Interlaken noch verfeinert.

In dem wunderschönen Ambiente und der liebevollen Gestaltung mit auserlesenem Tafelgeschirr, opulenten,  wunderschönen Blumenarrangements fühlten wir uns sehr wohl. Dazu tranken wir einen köstlichen „Blanc sur Noir“ – rote Traube auf weiss angebaut!

Geburtstagskind mit fröhlicher Blumendeko
Heidiland

www.weisskreuzmalans.ch

Lachs auf Radieschen von Chef Stefan Jäckel
Kürbis mit Burrata und Feigen

Neugierig geworden durch den „Blanc sur Noir“ der uns äusserst gut mit seiner frischen und fruchtigen Note mundete, suchtern wir in Malans das Weingut von Peter Wegelin auf und kauften eben diesen Wein. ……und ich erhielt sogar noch eine „Geburtstagsflasche“ von Herrn Wegelin geschenkt! Dabei erzaehlte er uns von der Rebwanderung, die jeweils im Frühherbst stattfindet. www.malanser-weine.ch

Also meldeten wir uns für das Wochenende 2./3. September an. So führte unser Weg ein zweites Mal in die Bündner Herrschaft. Leiderwar das Wetter gar nicht gut, es wehte ein scharfer Wind, der von den steilen Felsen kam und kräftiger Regen noch dazu. Wir hatten glücklicherweise die richtige Kleidung dabei. Aber trotz des schlechten Wetters wurde das Programm durchgezogen:

Wir besuchten 4 Weingüter und marschierten tapfer durch die Rebberge. In den Rebbergen wurden wir über, die verschiedenen Prozesse des Rebanbaus, die Arbeiten im Rebberg, die Vinifizierung, den Einfluss der vielen klimatischen Veränderungen und vieles mehr unterrichtet.

Weingut Hermann, Fläsch

Besonders interessant war der Bericht von Roman Hermann, der seit zwei Jahren das Weingut Hermann in Fläsch von seinem Vater übertragen bekommen hatte.

Stolze Winzer : Vater und Sohn Hermann

Roman Hermann – bewusst dieser Aufgabe – liess sich erst einmal Zeit, um Erfahrungen  anderer Länder mit ausgezeichneter Weinproduktion  zu sammeln. Seine Stationen waren  Neuseeland, USA (Oregon) und in der deutschen Pfalz bei Friedrich Becker – dem Pinot Guru. Abschliessend machte er ein Studium an der ältesten Weinbauschule Deutschlands. Danach ging es dann nochmals ein Jahr nach Südafrika. Wissbegierig und entschlussfreudig, wie er nun einmal ist, hat er sehr viele Kenntnisse und Erfahrungen gesammelt. Das war auch gut, denn das Jahr 2017 hat ihn vor viele Herausforderungen gestellt. So erinnert er sich nur zu gut an den 20. und 21. April 2017 als eine große Kälte über die Bündner Herrschaft kam. Um die Temperatur in den Rebbergen nicht unter 2 Grad C  zu haben, wurden Scheiterhaufen aus alten Rebstöcken und Buchenholz  in den Rebgängen angeschleppt und sage und schreibe 600 Feuer gelegt. Diese mussten kontrolliert werden und ein großes Team von Helfern wachten zwei Nächte lang, um die Gefahr des Erfrierens der Reben abzuwenden. Der Schaden wurde letztendlich auf 30 %begrenzt  Glücklicherweise konnte im weiteren Verlauf des Frühjahrs mit wenig Regen und viel Sonne ein Teil der Frostschäden wieder kompensiert werden. Allerdings konnte auch nur 80 % einer normalen Ernte  in den Keller gebracht werden. In dem Falle mehr Qualität als Quantität!

Herbststimmung ind er Bündner Herrchaft

Nach all dem was ich auf der Rebwanderung gelernt habe gebührt den Winzern ein hoher Respekt und ich sollte das nicht vergessen und  meinen Wein gebührend geniessen! VIVA!“

Weingut Hermann ist eines der wenigen Weingüter, welches die älteste Rebsorte „Completer“ noch anbauen. Diese alte Rebsorte stammt von dem Kloster Näfels in Graubünden, wo die Mönche diese Rebsorte angebaut haben. Ansonsten wird in der Bündner Herrschaft durchweg Pinot Noir angebaut.

Flaschen vom Weingut Hermann
Rote Beeren kurz vorm Wimmeln
Weingut Lipp und ein sehr alter Weinkeller
Keller mit Eichenfässern / Barrique / Weingut Davaz in Maienfeld

Neu erfahren haben wir bei der Rebwanderung, dass für langlebige Pinot Noir wieder der Stiel zusammen mit den Beeren vergoren wird. Die zusätzlichen Tanine schützen den Wein vor Oxidation und lassen ihn weniger schnell altern. Die Frage ist jeweils „Wieviel Stiele ? „Roman’s Urgroßvater hatte dies bereits gemacht, aber nur weil es zu der Zeit noch keine Abbeermaschinen gab. Roman nimmt sein bio-zertifiziertes Weingut sehr ernst und bezieht daher die recycelten Weinflaschen aus St. Prex am Genfersee. Durch den hohen Altglasanteil in der Herstellung wird 1/3 weniger Energie verbraucht und die Transportwege sind kurz!

Weitere besuchte Winzer in der Bündner Herrschaft:

www.davaz-wein.ch

www.lipp-destillerie.ch

www.staegerweine.ch

Infos für Rebbergwanderungen auf: www.vinotiv.ch

*Wimmeln nennt man die Weinlese in Graubünden

VIVA !! ist der Trinkspruch im Kanton Graubünden

 

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